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Ein Satz & der Konflikt ESKALIERT

29. Juli
3 Min. Lesezeit

Wenn einer dieser Sätze fällt …


„Du übertreibst.“


Es ist nur ein kurzer Satz.


Vielleicht sogar einer, der schnell ausgesprochen wird – mitten in einem Gespräch, in dem beide eigentlich nur verstanden werden möchten.


Und trotzdem kann genau dieser Satz einen Konflikt verschärfen.


Anna kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause. In der Küche stehen noch die Teller vom Frühstück, die Wäsche liegt ungeordnet im Wohnzimmer und der Einkauf, um den sie ihren Partner gebeten hatte, wurde nicht erledigt.


Sie versucht ruhig zu bleiben.

„Ich habe das Gefühl, dass gerade sehr viel an mir hängen bleibt. Ich bin wirklich erschöpft.“


Ihr Partner blickt von seinem Handy auf.

„Jetzt fang bitte nicht schon wieder damit an. Du übertreibst.“


Für ihn ist es vielleicht nur eine spontane Abwehrreaktion. Er fühlt sich kritisiert und möchte deutlich machen, dass er die Situation anders wahrnimmt.


Bei Anna kommt jedoch etwas ganz anderes an:

Meine Erschöpfung wird nicht ernst genommen.

Meine Wahrnehmung ist falsch.

Ich darf nicht sagen, wie es mir geht.

Sie wird lauter.

„Natürlich übertreibe ich. Genau das sagst du immer, wenn du keine Verantwortung übernehmen willst!“

Er fühlt sich angegriffen.

„Egal, was ich mache, es ist sowieso nie genug für dich!“


Innerhalb weniger Minuten geht es nicht mehr um den Einkauf, die Wäsche oder die Aufgabenverteilung.


Plötzlich geht es um alles:

um frühere Enttäuschungen, nicht eingehaltene Versprechen, fehlende Anerkennung und das Gefühl, in der Beziehung allein zu sein.

Alte Konflikte werden hervorgeholt.

„Du hörst mir nie zu.“

„Mit dir kann man überhaupt nicht mehr reden.“

„Dann mach doch gleich alles allein.“


Schließlich verlässt er den Raum und schlägt die Tür hinter sich zu.


Anna bleibt zurück.


Wütend, verletzt und gleichzeitig unsicher.

Hat sie tatsächlich übertrieben?

Am nächsten Tag sprechen beide nur das Notwendigste miteinander. Jeder wartet darauf, dass der andere den ersten Schritt macht.


Doch niemand beginnt.


In den folgenden Wochen wiederholt sich das Muster.

Anna spricht ein Problem an. Ihr Partner hört darin einen Vorwurf. Er wehrt sich. Sie fühlt sich nicht ernst genommen und wird deutlicher. Er zieht sich zurück.

Aus einem einzelnen Satz wird ein festgefahrenes Konfliktmuster.


Bis der Gedanke auftaucht: So kann es nicht weitergehen.

Nach einem weiteren Streit sitzt Anna am Abend allein im Wohnzimmer.

Sie möchte die Beziehung nicht aufgeben.

Aber sie weiß auch nicht mehr, wie sie ein Gespräch beginnen soll, ohne dass es innerhalb weniger Minuten eskaliert.

Schließlich sucht sie nach Unterstützung und ruft bei mir an.


Nicht, weil bereits entschieden ist, dass die Beziehung beendet werden soll.

Sondern weil beide wieder lernen möchten, miteinander zu sprechen – ohne Rechtfertigung, Rückzug oder gegenseitige Verletzungen.


Im ersten Gespräch wird deutlich:

Hinter dem Satz „Du übertreibst“ steckt bei ihm die Angst, ständig zu versagen.

Hinter Annas Wut steckt der Wunsch, endlich gesehen und entlastet zu werden.

Beide haben ein verständliches Anliegen.


Doch im Konflikt konnten sie es nicht mehr ausdrücken.


Mediation bedeutet nicht, dass jemand entscheidet, wer recht hat.

In der Mediation entsteht ein geschützter Rahmen, in dem beide Seiten aussprechen können:

Was ist tatsächlich passiert?

Was hat der Satz beim anderen ausgelöst?

Welche Bedürfnisse stehen hinter Wut, Rückzug oder Vorwürfen?

Was muss sich verändern, damit wieder ein respektvolles Miteinander möglich wird?


Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer großen Entscheidung.

Sondern mit einem Gespräch, in dem zum ersten Mal wieder wirklich zugehört wird.


Kennst du solche Sätze aus deinen eigenen Konflikten?

„Du übertreibst.“

„Sei nicht so empfindlich.“

„Das stimmt doch gar nicht.“

„Mit dir kann man einfach nicht reden.“


Oft steckt hinter diesen Aussagen mehr, als im ersten Moment sichtbar ist.


Wenn Gespräche immer wieder an derselben Stelle scheitern, kann ein unverbindliches Erstgespräch helfen, die Situation zu sortieren.



Angelika Platzer

Zivilrechtsmediation – richtig & fair

Perspektiven wechseln. Zusammenhänge verstehen. Faire Lösungen entwickeln.


Vereinbaren Sie Ihr unverbindliches Erstgespräch.



 
 
 

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